Basics der Slowflower-Floristik
Florales Design im Sommer
Einen Slowflower-Strauß binden
Zutaten:
• Sommerblumen
• Gartenschere
• Natur-Bast
Grundsätzliches
Als Grundprinzip gilt, dass die feinen Stiele beim Binden nicht abknicken oder abbrechen dürfen, damit jede Blume in der Vase mit Wasser versorgt wird. Außerdem sollten im Wasser der Vase keine Blätter sein. Die Blätter würden schnell faulen und dadurch die Haltbarkeit der Schnittblumen enorm verkürzen.
Stiele putzen
Los geht’s! Im ersten Schritt bereite ich mir meine Slowflowers und mein Schnitt grün zum Binden vor. Hierbei putze ich die Stiele, d.h., ich befreie mindestens die untere Hälfte des Stiels, meist jedoch zwei Drittel, von Blättern und Verzweigungen.
Eckpunkte festlegen
Wenn alle Stiele geputzt sind, lege ich die Eckpunkte meines naturnahen Sommerbouquets fest. Hierfür kreuze ich zwei Blütenstiele vor dem Oberkörper und verschiebe die Blüten nach oben und unten, bis ich meine optimalen Außenkanten für den Strauß gefunden habe.
Das Bouquet füllen
Im nächsten Schritt lege ich die Blumen immer von rechts oben nach links unten an. Hierbei ist wichtig, dass immer die gleiche Richtung beibehalten wird, damit sich die Stiele nicht gegenseitig abknicken. Zugegebenermaßen, dieser Schritt braucht etwas Übung, damit er flüssig von der Hand gehen kann. In jedem Fall hilft es, sich auf eine Anlegerichtung festzulegen und sich dann daran zu halten. Immer von rechts oben nach links unten, von rechts oben nach links unten usw. Sobald 12 bis 15 Stiele im Strauß eingearbeitet sind, entsteht eine Spirale. Spätestens jetzt ist es Zeit, zu überprüfen, ob versehentlich ein Stiel gegen die Richtung eingearbeitet wurde. Das Bouquet kann jetzt auch incder Hand gedreht werden, sodass die Blumen von allen Seiten an den Strauß gelegt werden können. Mit etwas Übung kann dieser besondere Designprozess zur meditativen Übung werden. Die aufmerksame Anordnung der Farben, Formen und Düfte bereitet mir außerordentlich viel Freude.
Den Spaß nicht vergessen
Beim Blumenbinden gilt, immer locker bleiben und die Hände, Arme und Schultern aktiv entspannen. Sträuße zu binden darf Spaß machen!
Die Komposition abrunden
Bei all der Freude über das wachsende Bouquet werfe ich auch immer wieder einen kritischen Blick auf den Strauß. Hier und da schneide ich störende Blätter, Stiele oder Blüten ab. So entsteht nach und nach eine individuelle Komposition.
Das Ende finden
Nun ist es wichtig, zum Ende zu kommen, den Prozess ab- zuschließen. Dass das nicht immer einfach ist, haben mir die Menschen in meinen Workshops und bei anderen Gelegenheiten berichtet. Ich persönlich verlasse mich auf meine Intuition und ermutige, es mir gleichzutun. Es gibt einen klaren Punkt, an dem der Strauß nach meinem Empfinden fertig ist. Die goldene Regel lautet: Ein Strauß muss nicht perfekt sein, sondern gefallen. Das entscheidet der Bauch oft besser als der Verstand.
Den Strauß binden
Es folgt das Abbinden. An der Stelle, an der die Hand den Strauß gehalten hat, lege ich ein Band aus Naturbast an und wickle es zweimal straff um den Strauß. Danach wird es mit einem Doppelknoten fixiert. Meist wickle ich den Rest des Basts auch noch um den Strauß, da mir die dickere Bindestelle gut gefällt. Ich achte dabei darauf, den Bast straff zu ziehen und ihn erneut mit einem Doppelknoten zu fixieren. Der Überstand wird mit der Schere dicht am Knoten abgeschnitten. Für mich ist es selbstverständlich, meine Bouquets ausschließlich mit Naturmaterialien abzubinden. Zum einen finde ich Naturbast, Leinen- oder Baumwollbänder ästhetisch sehr ansprechend. Zudem ist es einfach praktisch, wenn ich den verblühten Strauß inklusive Naturbast im Kompost entsorgen kann, statt die verblühten oder gar verfaulten Stängel aus dem Plastikband herauszufummeln.
Ein Beitrag von Chantal Remmert – Erna Primula
(Ein Auszug aus dem Buch „Slowflowers, wilde Gärten & ungezähmte Bouquets“ von Chantal Remmert & Grit Hartung)
Bilder: Chantal Remmert – Erna Primula, Grit Hartung
